Kirchenführer St. Peter und Paul Püchersreuth

Titelbild
Die Evangelisch-Lutherische Kirche St. Peter und Paul
zu Püchersreuth


Aquarell von Klaus Kuran
Vorwort

Lieber Besucher der evangelischen Kirche St. Peter und Paul in Püchersreuth, liebe Gemeindeglieder,

auf eine lange Tradition blickt unsere Kirche in Püchersreuth zurück. Seit vielen Jahrhunderten kommen Christen beider Konfessionen hierher um ihren Alltag im Lichte des Glaubens zu beleuchten, zur Ruhe und zu Gott zu kommen. Alle zwei Wochen und zu den Feiertagen feiert die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Püchersreuth hier Gottesdienst. Taufen, Trauungen, Konfirmationen beleben unser Gotteshaus heute wie seit dem Bau der ersten Kirche im Mittelalter an dieser Stelle.

Wir, die evangelischen Christen in Püchersreuth, sind stolz auf dieses Kleinod im Zentrum des Dorfes. Anlässlich der dringend notwendigen Renovierungsmaßnahmen am Dachstuhl, hat Herr Michael Raab diesen Kirchenführer geschrieben. Er führt sie in die Geschichte der Region, der Kirchengemeinde, des Dorfes und des Bauwerks St. Peter und Paul Püchersreuth. Für all seine Mühen an dieser Stelle ein recht herzliches Vergelt's Gott!

Wenn sie die Geschichte lesen, die Bilder sehen, unsere Kirche betrachten, werden sie die Liebe, die viele Generationen von Püchersreuthern dieser Kirche entgegen gebracht haben, verstehen. An dem mittelalterlichen Taufstein wurden viele Generationen von katholischen und evangelischen Kindern getauft. Mit den gestifteten Vasa Sacra hat sich nicht nur der Adelige, der unserer Kirche besonders wohlgesonnen war, verewigt, sondern viele tausende Menschen verbinden mit dem Empfang des Heiligen Abendmahls aus diesem Kelch ihre ganz eigene Glaubens- und Lebensgeschichte.

So bitten wir sie, den Erhalt unserer Kirche mit Wohlwollen entgegen zu kommen und uns mit einer Spende zu helfen, auch den nachfolgenden Generationen hier einen Ort des Glaubens zu bewahren.

Der Dachstuhl ist baufällig, die Balken sind marode, auch tragende Balken sind der Last des Kirchenbaus nicht mehr gewachsen, so dass die Wände auseinander driften und somit große Risse im Kircheninneren entstehen.

Nur durch ihre Spende, durch ihre Hilfe, können wir dieses Bauwerk erhalten und renovieren.

"Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg!"
Ps 119,105

Püchersreuth im September 2008

Pfarrerin Kim Dämmer

Historisches

Die Pfarrei Püchersreuth

Püchersreuth war bereits in vorreformatorischen Zeiten eine bedeutende Pfarrei, die im 14. Jahrhundert ihre erste Erwähnung fand. Das Kirchengebäude selbst wurde schon im Jahre 1283 als Peter- und Paulskirche benannt.

Während der Reformation gehörte Püchersreuth politisch zu dem erst 1505 gegründeten Herzogtum Pfalz-Neuburg, an dessen Spitze die Brüder Philipp und Ottheinrich standen. Letzterem ist es zu verdanken, dass am 22. Juni 1542 auf seinem Herrschaftsgebiet die Reformation durchgeführt wurde.

Erst 1584 war Püchersreuth eine eigenständige evangelisch-lutherische Pfarrei geworden, obwohl es auch vorher protestantische Geistliche im Ort gab. Unter den Pfalzgrafen Otto Heinrich und Friedrich erlebten die oberpfälzischen Gebiete eine Phase streng ausgelegten Luthertums.

Doch die Widerstände waren groß. Allen voran der Kaiser, die Landstände und vor allem die katholische Kirche versuchten ihren "alten" Einfluss wieder zurückzugewinnen. Der Landesherr Wolfgang Wilhelm war, nicht nur aus persönlichen Gründen, 1613 wieder zum katholischen Glauben übergetreten (Er versprach sich durch diesen Schritt Neuerwerbungen am Niederrhein). Diese Gegenbewegung, auch Gegenreformation genannt, gipfelte schließlich in den Grausamkeiten und Wirren des 30-jährigen Krieges. Von da an machte man es den Anhängern Luthers sehr schwer, ihren Glauben zu leben. Pfarrer Babisch schrieb hierzu: "Die Gegenreformation begann in Püchersreuth gegen zähen Widerstand der Evangelischen. Hier musste sogar zu dem berüchtigten Mittel der Dragonaden gegriffen werden. Dem damaligen Gutsherrn Hans Bernhard von Grafenreuth, seiner Mutter und Schwester, die besonders ein `Gütlein` im Dorfe hatten, wurde je ein Soldat ins Quartier gelegt, der reichlich und gut verpflegt werden musste." (Babisch, E. in Unser Weidener Kirchenbezirk, S. 72f.). Die Soldaten hatten die genaue Einhaltung "katholischen" Verhaltens zu überwachen.

Mit dem Ende des unseligen Krieges 1648 ersehnten sowohl Herrscher als auch die Bevölkerung endlich Frieden. In diesem "unheiligen" Krieg, der eigentlich von allen Parteien verloren wurde, ließen 2/3 der Bevölkerung ihr Leben. Wie oben erwähnt wurde in dem Herzogtum Pfalz-Neuburg heftigst die Rekatholisierung betrieben. Mit Hilfe des Jesuitenordens versuchte Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm gegen den Willen und die Überzeugung seiner Familie den katholischen Glauben wieder einzuführen. Im sulzbacher Landesteil, der quasi eigenständig von seinem Vetter Christian August regiert wurde, gelang dieses Vorhaben nicht vollständig. Dort lebten kaum noch Menschen, die sich zum katholischen Glauben bekannten.

Christian August, ein weltoffener und toleranter Mensch, wollte in seinem Gebiet den Protestantismus erhalten, indem er ein Abkommen mit seinem Vetter Wolfgang Wilhelm schloss. Dieser 1652 zustande gekommene "Kölner Vergleich" garantierte den Christen beider Konfessionen auf dem Gebiet des Sulzbacher Fürsten gleiche Rechte. Kirchlicher Besitz gehörte den beiden Kirchen nun gemeinsam. Dieser musste zusammen genutzt und verwaltet werden. Mit dem sogenannten Simultaneum wollte Herzog Christian August gegenseitige Achtung und Versöhnung der Christen untereinander schaffen. Diesen grundauf ökumenischen Gedanken, jahrhunderte seiner Zeit voraus, konnte er aber nur auf Dauer erhalten, wenn er in seinem Herrschaftsgebiet eigenständig zu regieren im Stande war. Deswegen konvertierte Christian August 1656 zum Katholizismus und erhielt dadurch von seinem Vetter im Gegenzug die volle Souveränität seines Einflussbereichs zugesichert. Der neue "Staat", der keineswegs geografisch zusammenhängend war, umfasste das Landgericht Sulzbach mit der Herrschaft Breitenstein, Teile vom Gemeinschaftsamt Parkstein-Weiden und das Pflegamt Floß, zu dem Püchersreuth gehörte.

Das Simultaneum (lat. simul = gleichzeitig, zugleich) bedeutete allerdings, dass die den Kirchen zur Verfügung stehenden Geldmittel und Besitzungen sich erheblich verkleinerten. So auch in Püchersreuth. Die Eigenständigkeit der Pfarrei konnte aufgrund kleiner gewordener Pfründe nicht mehr aufrecht erhalten werden. 1653 wurden dieser dann die Gemeinden Wildenau, Plößberg und Schönkirch hinzugefügt. Nach 21 Jahren kam 1674 noch Wilchenreuth hinzu, wo fortan auch der Pfarrsitz war. Das Pfarrhaus samt Schulhaus in Püchersreuth wurden der katholischen Kirche zugeschlagen. Im Gegenzug erhielt die evangelische Seite das Plößberger Pfarr- bzw. Schulhaus. In Püchersreuth lebte damals der Pfarrer Johann Georg Harrer, welcher nach Wilchenreuth schließlich umziehen musste. Den evangelischen Schulmeister Christian Ziegler ließ man dennoch im nun katholisch gewordenen Schulhaus bis zu seinem Tod 1693 wohnen.

Dieses eigentlich gut gemeinte Konstrukt des Simultaneums führte aber im Laufe der Zeit sowohl im Sulzbacher Land, als auch in Püchersreuth eher zu weiteren Problemen und kuriosen Streitereien zwischen den Menschen. Diese traten insbesonders zur Zeit des Neubaus der Kirche zu Tage. In einem sehr emotional geschriebenen Brief an den Landesfürsten Theodor Eustach aus dem Jahre 1724 führte der damalige evangelische Pfarrer Joachim Holst eine Menge Anschuldigungen und Klagen gegen den katholischen Geistlichen Schmäderer auf. In diesem neun Seiten langen Brief beschwerte er sich darüber, dass die Aufrichtung einer neuen Kanzel und des Altars ohne Zustimmung der evangelischen Seite beabsichtigt wurde. Pfarrer Schmäderer habe heimlich die Pläne des Altars und der Kanzel an sich genommen und mit der Umgestaltung und Versetzung der Kanzel schon begonnen: "[...] dass benannter Schmäderer mit gegründeter Wahrheit nicht darthun kann, [...], dass der Abriß [=Plan] von der neu aufzurichtenden Canzel und Altar zu Püchersreuth mir in die Hände und zu Gesichte gekommen; [...] die Canzel ließ er an einem anderen Ort aufmachen: und wenn ich nicht ohngefähr dazugekommen wäre, hätte er den Altar so wunderlich aufzurichten begehrt." (Staatsarchiv Amberg, Pfalz Sulzbach, Regierung - aus Floßer Akten 21/109). Er bezichtigte ihn des Weiteren, sich nicht an die Regeln des Simultaneums zu halten. Er leere sogar die Opferstöcke und behalte das Geld für sich! Auf der anderen Seite beschwerte sich Pfarrer Schmäderer beim Fürsten, dass manche "Evangelischen" ihre katholischen Ehefrauen und Dienstboten nicht die Messe besuchen lassen. Trotz der vielen Auseinandersetzungen hatte das Simultaneum in Püchersreuth noch lange Zeit Bestand.

Im Jahre 1814, 23 Jahre nach der Auflösung des Herzogtums Sulzbach und 8 Jahre nach Gründung des Königreichs Bayern, wurde der Pfarrsitz von Wilchenreuth nach Plößberg verlegt, vermutlich weil diese die meisten evangelischen Gemeindemitglieder hatte.

1837 entschied man, Püchersreuth und Wilchenreuth aus der inzwischen zahlenmäßig stark angewachsenen großen Pfarrei herauszunehmen und einen eigenen Kirchenverbund zu bilden. 72 Jahre später sollte das Simultaneum ein Ende finden. Die Auflösung vollzog sich über 4 ½ Jahre von 1909 bis 1913. Für 16.500 Mark Ablösesumme ging die Püchersreuther Kirche in den Alleinbesitz der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde über. In einer Urkunde vom 27. Juni 1913, die bei Reparaturen im Turm gefunden wurde, schreibt der damalige evangelische Lehrer Grünbauer: "Nach jahrhunderte langem Bestehen des Simultaneums in Püchersreuth wurde durch Beschluss der protestantischen Kirchenverwaltung [...] unterm 11. Februar 1909 seitens der Protestanten [...] die Aufhebung des Simultaneums beschlossen. Die Aufhebung wurde unterm 19. Dezember 1909 allerhöchst genehmigt und der Vertrag mit den Katholiken unterm 3. März 1910 beziehungsweise 21. April 1910 notariell verbrieft." (Abschrift der Urkunde 3 aus dem Turmknopf, Zeilen 2 bis 11). Püchersreuth verblieb damals in dem Verbund mit Wilchenreuth, bis der letzte Pfarrer, Herr Eduard Babisch, im September 1972 in den Ruhestand versetzt wurde.

Da man die Pfarrstelle nicht mehr besetzte, kam mit einer weiteren Reform Wilchenreuth zu Neustadt a.d. Waldnaab. Seit 1972 bildet Püchersreuth mit Plößberg, Schönkirch und Wildenau wieder eine gemeinsame Pfarrei mit Sitz in Plößberg.

Folgende Pfarrer versahen seither ihren Dienst in der Gemeinde:

Pfarrer Hermann Lämmermann von 1972 - 1978,
Pfarrer Rainer Pajonk von 1978 - 1985,
dann eine lange Vakanz von 21 Monaten,
Pfarrer Jürgen Körnlein von 1987 - 1992,
Pfarrer Jürgen Rix von 1992 - 2000,
Pfarrer Hans-Joachim Nolda von 2001 - 2005 und nunmehr
Pfarrerin Kim Dämmer seit Oktober 2006

Baugeschichte der Kirche

Hervorzuheben ist der große Einsatz des Freiherrn Hanns Christoph von Hund für den Neubau der Kirche, der eines der beiden Hofmarksgüter besaß. Er war seitens der sulzbacher Regierung zum Pfleger des Flosser Amtes bestellt worden. Der Freiherr stellte die finanziellen Mittel für den Kirchenneubau und deren Ausstattung bereit und bedachte überdies die Kirchengemeinde mit enormen Summen in seinem Testament: "Die Summe der Hund'schen Legate betrug 2500 Gulden, die Summe der zur Schule und Kirche gemachten Geschenke (ohne den Beitrag zum Kirchenbau) 3650 Gulden." (Babisch, E. in Evang.-Luth. Dekanat Weiden, S. 79).

Die alte mittelalterliche Pfarrkirche, von der derzeit keine genaue Beschreibung bekannt ist, war den Aposteln Peter und Paul geweiht. Sie bestand aus einem mächtigen Turm, auf dem Ostchor des Gebäudes errichtet, und dem Kirchenschiff. Dieses Kirchlein verfiel im Laufe der Jahrhunderte so stark, dass ein gewaltiges Gewitter im Sommer des Jahres 1714 ihr schweren Schaden zufügte. Ein Brief des Gutsbesitzers Hanns Christoph Hund vom 14.09.1714 an den Herzog Theodor Eustach zu Sulzbach berichtet: "Die Gewalt des Donnerwetters vor einigen Wochen hat das Gewölb über dem Altar an vielen Orten zersprungen und der Stern bzw. der Schlussstein hat sich um 2 Zoll gesenkt. Zwar hat man einen hölzernen Rost mit Säulen darunter gesetzt, aber über dem Gewölbe hängen einen Gaden [= Stockwerk] hoch die zwei Glocken. Auch gehen die 3 Seitenmauern [des Langhauses] auseinander. Wann man anfangen wird, das baufällige abzutragen, müsste die ganze Kirche neu gebaut werden. Die Kirche [= Kirchenverwaltung] besitzt 900 fl [Gulden] ausstehende Capitalien und Zinsen. Die Leute im Dorf und in der Nachbarschaft erbieten sich zu Hand- und Fuhrscharwerk, doch erkaltet der Eifer bald. Die Kirchenpröpste [Kirchenverwaltung] haben Bausteine brechen lassen und etwas Kalk zugeführt. Ich bitte um Genehmigung des Neubaus." (Staatsarchiv Amberg, Pfalz Sulzbach, Regierung - aus Floßer Akten 21/109). Nach Ausweis der Unterlagen schienen nur die Seitenmauern des Langhauses von der alten Kirche übrig geblieben zu sein.

Zunächst begann man, den Kirchturm neu zu errichten und den Chor zu renovieren. Der Turm wurde dem Chorraum im Osten vorangesetzt. Innerhalb eines Jahres waren diese Vorhaben nahezu vollendet, so dass er bereits 1716 sein heutiges Kuppeldach bekam. In den darauffolgenden Jahren, bis 1724, verlängerte man das Kirchenschiff und erhöhte die Umfassungsmauern um gut ein Drittel. Hanns Christoph Hund schrieb am 28.09.1715 an den Herzog zu Sulzbach: "Der Chor- und Turmbau ist, nach Vorlage der Risse durch den Baumeister Johann Storch von Kaltenbrunn, diesen verwichenen Sommer im Groben vollendet worden. Kümftiges Jahr soll noch geputzt und die Kuppel auf den Turm gesetzt werden. Der catholische Pfarrer Schmäderer und die eingepfarrten Neustädtischen Dorfschaften Störnstein, Lanz und Rastenhof haben sich beschwert, die Kirche sei catholischerseits zu klein, die Kirche ist 25 Schuh weit und das Langhaus nur 35 Schuh lang. Nun soll solches 50 Schuh werden und um 7 Schuh auf 21 erhöht werden, damit 2 Bartillen [Emporen] übereinander gesetzt werden können. Das kostet nach Putzung des bereits Gebauten 500 fl. Das eventuelle Mehr soll von den Eingepfarrten aufgebracht werden. [1 bayer. Schuh bzw. Fuß = 29,2 cm ~ 30 cm]." (Staatsarchiv Amberg, Pfalz Sulzbach, Regierung - aus Floßer Akten 21/109).


Der grau unterlegte Bereich gibt die ungefähren Größenverhältnisse der alten Kirche wieder.

Nachdem das Kirchengebäude 1724 im Großen und Ganzen fertig gestellt war, bot sich Christoph Joseph von Sparneck, der zweite Gutsbesitzer in Püchersreuth an, den Altar und die Kanzel zu stiften. Er fühlte sich wohl im Zugzwang, nachdem schon der Freiherr von Hund gewaltige Summen für den Kirchbau und ein neues evangelisches Schulhaus aufgebracht hatte. Dennoch blieb es lange Zeit lediglich bei dem Versprechen, sich um die Errichtung von Altar und Kanzel zu kümmern. Immer wieder schrieben Freiherr von Hund oder der evangelische Pfarrer Holst den Landesfürsten an, dass dieser den Herrn von Sparneck an seine Zusage erinnern solle: "[...] benannter Herr von Spanneck gnädigst anzubefehlen [...] dem gnädigst ergangenen Befehl einmahl möge huldigst gehorsam [nachzukommen]." (Staatsarchiv Amberg, Pfalz Sulzbach, Regierung - aus Floßer Akten 21/109). Sowohl Streitereien der beiden Konfessionen (vgl. oben), aber auch die komplette Verschuldung des Herrn von Sparneck verhinderten eine schnelle Umsetzung der Aufstellung von Altar und Kanzel, so dass erst 1741 der komplette Innenausbau vollendet war.

Aus den allgemeinen Pfarrberichten geht hervor, dass die frühere Kirche keine Orgel besaß. Johann Christoph von Hund schenkte den Evangelischen 1729 eine Orgel, die am 24.02.1730 das erste Mal erklang. "Ich hab [...] in die Kirche Püchersreuth, ohne Ruhm zugedenken, ex propriis ein orgelwerk ad comunes usus beidseitiger Religions-Verwandten, aufrichten lassen, und dasselbe dotiert, dass solches unterhalten werden kann." (Staatsarchiv Amberg, Pfalz Sulzbach, Regierung - aus Floßer Akten 21/109). Eine Mitbenützung derselben war den katholischen Christen nur gestattet, wenn sie sich an den Kosten beteiligen würden und die Evangelischen in Plößberg die Orgel ebenso verwenden dürfen. (vgl. Allgemeine Pfarrberichte, Acta Püchersreuther Pfarramt).

Der Bau der Kirche war 1741 nach 26 Jahren Bauzeit abgeschlossen. Zwei Jahre später starb der Wohltäter und letzte seiner Familie Johann Christoph von Hund am 5. April 1743. Er liegt in der Sulzbacher Friedhofskirche St. Georg begraben. Am Fuß der Kanzel befindet sich seine Grabplatte. Ein Gedenkstein ist etwas links davon in die Wand eingelassen. Er trägt eine lateinische Inschrift, deren Übersetzung wie folgt lautet: "Hier hat seinen Ruheplatz gefunden Johann Christoph Hund zu Püchersreuth, der letzte aus dem hochadeligem Stamm der Hund, aus Irland nach Deutschland zurückgekehrt, in der ganzen Welt bestens bekannt, Pfalz-Sulzbachischer Geheimer Rat und Marschall, Pfleger von Flossenbürg. Ein sehr großer Sünder, dennoch gleich einer Perle [oder Schmuckkette], die wie Krümelchen vom Tische Gottes gefallen. Er begehrt die ewigen himmlischen Wohnungen durch Christus. Geboren am 8. Oktober des Jahres 1666, gestorben am 5. April 1743. Gottes Gnade sei mit uns.". (Wappmann V. et al., 1993).

Im Laufe der Zeit mussten die Christen in Püchersreuth immer wieder Geld und Arbeitszeit in die Erhaltung des Kirchengebäudes stecken. So war der Turm bereits 1779 abermals in einem baufälligen Zustand. Aufgrund der im Turmknopf entdeckten Urkunden erfahren wir über weitere Renovierungsarbeiten 1828, 1854, 1871, 1881 und schließlich 1913, bei der die Kirche ihr heutiges Gesicht erhielt.

1828 wurden das Kirchen- und Turmdach neu eingedeckt. Am Turm mussten abermals Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden. Hierbei hat man 3 neue Uhren mitangebracht. Das Gebäude selbst wurde innen und außen geweißt.

Im Jahre 1854 setzte sich der Ärger mit dem Turm fort. So nahm man erneut den Knopf samt Fahne herunter, um die Schäden zu beseitigen. Dabei deckte man dessen Dach zum Teil neu. Im Zuge der Ausbesserung der Stiegen und Gerüste im Turm, entschied man sich für einen neuen Glockenstuhl. Die Arbeiten wurden von Zimmermeister Erhard Höcht aus Floss durchgeführt. Die entstandenen Kosten von 136 Gulden und 56 Kreuzern bezahlte die simultane Pfarrgemeinde, die aus den Ortschaften Püchersreuth, Störnstein, Lanz, Mohrenstein und Auerberg bestand. In besagten Urkunden ist zu lesen: "Hier verdient vorzüglich erwähnt zu werden: Herr Johann Strobel, Kunstmaler in Bayreuth, geborener protestantischer Schullehrerssohn von Püchersreuth, welcher aus freiem Antriebe zur Ehre Gottes und aus Liebe zu seinen Landsleuten, und zum Andenken an seinen Geburtsort den Turmknopf und die Fahne am 27. August ganz schön und gut vergoldete zwar unentgeltlich." (Abschrift der Urkunde 1 aus dem Turmknopf, Zeilen 19 bis 27). Die damaligen Pfarrer waren Wolfgang Stöberl (kath.) und Konrad Rödel (ev.).

17 Jahre später fand, laut Urkunde, die fünfte Abnahme des Turmknopfes samt Fahne statt. 1871 besserte der Zimmerer Peter Kneidl aus Püchersreuth am Turmdach mehrere schadhafte Stellen aus. In dieser Zeit war die protestantische Pfarrstelle Wilchenreuth seit März 1871 unbesetzt. Der Plößberger Pfarrer Flamin Hoffmann regelte die Ausbesserungsarbeiten mit seinem katholischen Kollegen Johann Maurer gemeinsam. Dieser vermerkte auf der Urkunde Nummer 2 von 1881, dass Pfarrer Hoffmann immer noch die evangelische Pfarrstelle vertreten musste. Erwähnenswert schien ihm weiterhin, der Vorfall eines durch Verlötungsarbeiten am Turm fast ausgelösten Brandes zu sein.

Die große Renovierung von 1913

Im Zuge der Auflösung des Simultaneums begann die evangelische Kirchengemeinde am 7. April 1913 mit der Renovierung "nach kirchlichem Geschmack". (Abschrift der Urkunde 3 aus dem Turmknopf, Zeile 18). Aufgrund der detaillierten Beschreibung der 3. Urkunde vom 27. Juni 1913 des Hauptlehrers Grünbauer können wir das Antlitz des ehemaligen Innenraumes noch erahnen:

Der Altar, wie ihn einst Christoph Joseph von Sparneck gestiftet hat, wurde umgestaltet (vermutlich etwas "evangelischer" gemacht).

 

 

Wie die Ansicht einer alten Zeichnung zeigt, gab es in unserer kleinen Kirche einst zwei Emporen. Die Aufgänge waren beidseitig. Die obere Empore konnte man nur durch den linken Aufgang betreten, da die Orgel fast den kompletten Platz für sich beanspruchte. Sie ragte ehedem sogar in den Dachboden! Die 2. Empore wurde entfernt. Dadurch ließ sich die untere um 60cm heben.

Die Kanzel versetzte man an die jetzige Stelle von der Südseite weg. Der Pfarrer betrat sie früher durch die Sakristei.

Des Weiteren wurden die in dem Boden eingelassenen Grabplatten in die Wände integriert, da diese schon erhebliche Abnützungsspuren aufwiesen.

Die Kunstmaler Hans Pinssi und Georg Krämer sorgten für die heute noch vorherrschende Marmorierung allen Inventars. Sämtliche Schreinerarbeiten am Gestühl, Boden und Kanzel erledigten die Püchersreuther Brüder Johann und Karl Gollwitzer. Es wurden außerdem noch neue Fenster eingesetzt und die Decke mit Stuck belegt.

Der Taufstein erhielt einen neuen Aufsatz aus Granit. Der Sockel desselben ist das älteste Relikt aus der mittelalterlichen Dorfkirche. Er stammt vermutlich aus romanischer Zeit (10. bis 12 Jhr.).
Nebenbei angemerkt ist das Steinfragment, das sich derzeit unter der Linde an der Püchersreuther Hauptstraße, Ecke Buchgasse befindet, der obere Teil des Taufsteins unserer Kirche. Die Autoren des Buches "Stumme Zeugen am Wegesrand" schreiben: "Der Taufstein, auf Gemeindegrund im Hang [...], soll ehedem in der alten Simultankirche [...] als Taufstein gedient haben." (Enslein 2007, S. 144).

Im Außenbereich stellte der Schönkircher Steinmetz Johann Bäumler den Steinsockel für das große Holzkreuz her. Ein viertes Ziffernblatt wurde an der Nordseite des Turmes angebracht. Die Sakristei bekam an ihrer Westseite eine neue Türe eingesetzt, durch die man auch heute eintritt.

Eine neue Orgel wurde für 3000 Mark von der Firma Steinmeyer geliefert und vom 17. bis 19. Juni 1913 aufgestellt. Die Prüfung derselben nahmen der Pfarrer Oskar Leonhard, die Lehrer Jakob Meyer aus Wilchenreuth und Johann Grünbauer aus Püchersreuth vor.
Die Kosten dieser Umgestaltung betrugen insgesamt 26.500 Mark; nach damaliger Kaufkraft eine enorme Summe, wenn man bedenkt, dass ein Handwerker ca. 50 Pfennige pro Stunde verdiente! Um den Wert der damaligen Währung besser einschätzen zu können, legten die Autoren der Urkunde folgende Auflistung bei:
"Als Stundenlohn wurde bezahlt im Juni 1913 für einen Handlanger 30 Pfennig, für einen Maurer 40 Pfennig, für einen Schreiner 50 Pfennig, für einen Stukkateur 55 Pfennig, für einen Vergolder 60 Pfennig, für einen Maler 60 Pfennig. Im Juni 1913 wurden bezahlt für ein Hühnerei 6 Pfennig, für 1 Liter Schmalz 2,50 Mark, für 1 Pfund Butter 1,10 Mark bis 1,20 Mark, für 1 Pfund feines Weizenmehl 20 Pfennig, ein Pfund Ochsenfleisch oder Schweinefleisch je 90 Pfennig, ein Pfund Kuhfleisch 80 Pfennig, ein Liter Milch 20 Pfennig, ein Liter Bier (?) 15 Pfennig [das Fragezeichen stammt vom Autor Lehrer Grünbauer. Hat er etwa den damaligen Bierpreis nicht gekannt?]." (Abschrift der Urkunde 3 aus dem Turmknopf, Zeilen 9 bis 23). Die Renovierungsarbeiten dauerten lediglich zwei Monate.

Nach dem 2. Weltkrieg elektrifizierte man 1949 das komplette Gebäude, so dass auch abendliche Gottesdienste stattfinden konnten. Außerdem benötigte der Organist keinen Calcanten (Blasebalgtreter) mehr.

Ein Jahr später erweiterte man das Geläut um eine 4. Glocke (des''), die von der katholischen Nachbarkirche erworben wurde. Die kleinste (as'') stammt aus dem Jahr 1730 und wurde vom Freiherrn gestiftet. 1924 bezog man aus Floß die größte Glocke (b') und eine Glocke mit dem Ton (g''). Nebenbei angemerkt: Schade, dass die Glocken, wenn man das viele Geld betrachtet, das schon in diese Kirche investiert wurde, anscheinend nur nach finanziellen Gesichtspunkten ausgewählt wurden. Musikalische Kriterien, wie die des Zusammenklangs oder des harmonischen Einstimmens auf den Gottesdienst waren offensichtlich nicht ausschlaggebend.

Im Jahr 1955 beschloss der Kirchenvorstand, das Gebäude zu verputzen, zu tünchen und sowohl den Turm als auch das Kirchdach neu einzudecken. Eine gewaltige Aufgabe, die man gemeinschaftlich anging und sich bis 1963 hinzog.

Damit es die Gottesdienstbesucher in der kalten Winterzeit angenehmer hatten, baute man 1964 für 10.000 Mark eine elektrische Heizung ein.

Nach der aufwändigen Außenrenovierung, begann bereits 1968, 5 Jahre später, die Erneuerung des Innenraums, die bis 1973 dauern sollte. Für insgesamt 24.000 Mark restaurierte man den Altar und die Kanzel. Der Boden wurde mit Platten belegt und die Bänke der Kirche wurden neu gestrichen. Das einzige Fenster an der Westseite mauerte man zu. Der Außenbereich war nun auch nachts aufgrund einer neuen Beleuchtung begehbar.

Während dieser Renovierung ging 1972 Herr Pfarrer Babisch in den wohl verdienten Ruhestand. Die Pfarrei Wilchenreuth galt somit als aufgelöst.

1980 musste der Kirchenvorstand den schon sehr baufälligen Glockenstuhl durch eine neue Stahlkonstruktion ersetzen lassen.

Für ca. 100.000 DM ließ man die alte Steinmeyer-Orgel 1983 von der Firma Hofmann/Rhön komplett neu aufbauen bzw. restaurieren. Der alte Spieltisch diente nun als Notenablage und der Organist saß mit dem Rücken zum Pfarrer. Ein neues Register, der Choralbass 4', wurde angeschafft.

1988-1991 fanden diverse Arbeiten im Außenbereich der Kirche statt.

1997 stellte man erschrocken fest, wie stark im Inventar der Kirche sich der Holzwurm ausgebreitet hat. Für 16.000 DM wurde die Kirche 10 Tage lang hermetisch abgeschlossen und mit Gas befüllt. Eine teure Maßnahme, derer es hoffentlich so bald nicht mehr bedarf!

2004 errichteten viele freiwillige Helfer (die Liste ist ausgesprochen lang), vor allem aber Siegfried und Lothar Löw, Hans Bäumler und Karl Betz ein größeres Gerätehäuschen und 2005 konnte der aus Granit hergestellte Brunnen eingeweiht werden.

In den vergangenen Jahrhunderten zeigten die evangelischen Christen immer wieder, wie wichtig ihnen ihr Gotteshaus war, indem sie erhebliche Summen aufbrachten und vor allem Arbeitszeit zur Verfügung stellten, um die Sankt Peter und Paul Kirche auch nachkommenden Generationen zu erhalten.

Bauliches - Zum Äußeren der Kirche

Die Kirche St. Peter und Paul befindet sich inmitten des "alten" Dorfes Püchersreuth, genau zwischen den ehemaligen zwei großen Landgütern. Sie ist allseits von einem Mauerring umgeben, der den Friedhof umschließt.

An den Längsbau, der 15m lang und 7,5m breit ist, fügt sich ein eingezogener, im Grundriss quadratischer Chor von 4,5 m Seitenlänge an. Der Turm ist dem Chor vorgelegt und verfügt über ein zwiebelförmiges Kuppeldach. Er misst insgesamt 22 m. Die Kirche ist von West nach Ost ausgerichtet. An der Südseite, im ersten Drittel des Kirchenschiffes, befindet sich die Sakristei. Das Gebäude verfügt über drei Fensterachsen.
An der südlichen Längsseite sieht der Betrachter noch ein kleineres Fenster im Chorraum und im hinteren Teil zwei Lichteinlässe für die Rundtreppe, die auf die Empore führt. Etwas tiefer angesetzt, zwischen Sakristei und Eingangsportal, kann man eine Fensterlaibung des Vorgängerbaus erkennen.
















Die Westseite, also der rückwärtige Teil, ist geprägt von einem vermauertem Fenster, das einmal die beiden Emporen mit Licht versorgt hatte. Des Weiteren war hier das ehemalige Eingangsportal zur Kirche. Die Granitumfassung der Türe vermerkt die Jahreszahl 1715.



Interessant ist eine vermauerte Öffnung auf der Nordseite der Kirche, die auf den ersten Blick ebenfalls ein ehemaliges Fenster vermuten lässt. Hier war aller Wahrscheinlichkeit nach, leider mit Quellen nicht belegbar, ein gesonderter Aufgang zu einem Logenplatz für die Gutsbesitzer. Dass es einen solchen gab, belegen die vielen Hinweise in dem Schriftverkehr mit dem Sulzbacher Landesfürsten.

Außerdem weisen zwei weitere kleinere Lichteinlässe auf dieser Seite darauf hin, dass sich auch hier einmal ein Aufgang zu den Emporen befunden hat.

Der Innenraum der Kirche - die Westwand

Die Westseite unserer Peter und Paul-Kirche ist geprägt von der Orgelempore. Die Orgel der Firma Hoffmann aus Ostheim in der Rhön ist mit zwei Manualen zu 12 Registern ausgestattet. Der Orgelprospekt zeigt die Prinzipalpfeifen des 4'-Registers. Das Gehäuse ist mit Blattgold verziert.

 

Die Nordwand

An der Nordwand sind viele kunsthistorisch wertvolle Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Dem Betrachter fällt sofort die große Ahnentafel der Familie Hund ins Auge. Der Epitaph entstand nach dem Willen des Hans Christoph Hund, der in einem Nachtrag zu seinem Testament folgendes schrieb: "Vor meine seel. Eltern und meine zu Picherseuth begrabenen Geschwistrigte hab ein steinernes Monument machen lassen, sollte selbigs zu meinen Lebzeiten nicht mehr in die Mauer gebracht werden können, so soll es nach meinem Tod aus meiner Verlassenschaft Kosten noch befolget werden." (Staatsarchiv Amberg, Pfalz Sulzbach, Regierung - aus Floßer Akten 21/109).

Der Epitaph enthält sinngemäß folgende Information: Hier ruhen [...] Gottfried Hund auf Pichersreuth, Churbayerischer Dragonerhauptmann im 47. Altersjahr Anno 1670 verstorben. Dessen Eheliebste [...] Maria Cordula, geborene von Lindenfels, mit 68 Jahren 1708 verstorben. Und deren Kind Anna Maria Salome Hund, gestorben 1688 mit 24 Jahren, wie auch zwei Söhne Hans Ernst und Hans Gottfried Bernhard Hund, die 1665 und 1670 in der Wiege verstorben sind.

Die linke Seite des Epitaph bezieht sich auf "Magdalena Margaretha, die von 1654 bis 1732 lebte. Sie ist als Tochter aus einer Ehe eines von Hund mit einer von Sparneck hervorgegangen und wurde zu Thumsenreuth geboren" (Peter Braun in Hundt (Adelsgeschlecht), wikipedia.de).

Im Mittelfenster, über eben beschriebener Ahnentafel, ist eine Grisaillerundscheibe eingefasst, die eine Dame mit Fächer und emporspringenden Hund zeigt. Dieses Kunstwerk muss um 1600 entstanden sein (Hager 1981, S.107).

Auf dem mittleren Wandpilaster befindet sich eine Grabplatte, die sich früher vor der großen Renovierung (1913) im Fußboden befand. Diese weist auf die Familie der Gravenreuther hin, die das Landsassengut in Püchersreuth bis 1700 besaß.




Hans Christoph von Gravenreuth
1625 - 1699

Unterhalb eines Fensters ist eine Gedenktafel implementiert, die den evangelischen Gefallenen unserer Kirchengemeinde des 1. Weltkrieges gewidmet ist. Mehrere Vorentwürfe lassen vermuten, dass über die Art der Erinnerung heftig diskutiert wurde.

Die Südwand

An der Stelle, an der vormals die Kanzel angebracht war, befindet sich nun eine Grabplatte des letzten Gravenreuthers auf dem Landsassengut Püchersreuth.


Wolf Christoph von Gravenreuth 1636-1700

Des Weiteren kann man noch ein Bildnis Martin Luthers sehen.

Der Chor

Der quadratische Chorraum mit Kreuzgewölbe, das in eine Blattdarstellung mündet, beherbergt den im barocken Stil gefertigten Altar. Der Altar besteht aus geschnitzten Säulen und Seitenfiguren. Akanthus-Blätter, eine gemalte Marmorierung und eine mit Blattgold versehene Ornamentik verzieren ihn.

Im oberen Auszug erkennt man die Figur des Heiligen Christopherus (die Püchersreuther Gutsherren trugen beide den Vornamen Christoph). Direkt darunter ist das Doppelwappen der Familien von Hund (springender Hund) und von Sparneck (Sparren=Dachholz) angebracht.

Die Mitte bildet ein Gemälde des auferstandenen Jesus mit der Inschrift: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Das Bild, im Nazarener Stil, wurde vor der Restaurierung 1897 eingesetzt.

Zu seiner Linken stehen der Namenspatron Petrus mit den Himmelsschlüsseln und rechts Paulus mit dem Schwert.

Im Chor befinden sich noch an den Wänden zwei Grabplatten, die durch die ehemalige Lage im Fußboden leider schon weitgehend abgetreten sind.
Georg Schmaus, der das Hund´sche Gut 1746 erwarb, ist in der rechten Platte vom Kirchenschiff aus verewigt. Seine Frau Margaretha, die aus der Familie Hund stammte, starb zwei Jahre nach ihrem Mann 1751.
Zutritt zum Chorraum erhält man durch einen gewaltigen Triumphbogen, an dessen Höhepunkt eine Steinkartusche das Wappen der Hunds trägt, mit der lateinischen Inschrift versehen: AD MAIOREM DEI GLORIAM MAIOR HAEC DOMUS DEI FACTA ANNO 1715 (Zu größerem Ruhm Gottes ist dieses größere Gotteshaus im Jahre 1715 erbaut worden).

Der rechte Pfeiler des Triumphbogens wurde 1913 als neuer Standplatz für die Kanzel auserkoren. Auf der barocken mit viel Laub- und Bandwerk verzierten Kanzel ist auf dem Schalldeckel das Jesuskind angebracht.

Besonders stolz sind die Evangelischen in Püchersreuth auf ihre "vasa sacra", einen Abendmahlskelch mit Patene, die der Freiherr von Hund der Kirche gestiftet hat. Der Kelch und die Patene sind komplett aus Silber mit einem goldenen Überzug versehen. Den Fuß des Kelches ziert dieselbe Inschrift wie die Patene: Usibus Evangelico-Lutheranorum in Pichersreuth dicatum a patrono sexagenario Joh. Christoph de Hund. Die 8. Octubris 1726.

Ausblick

Dem aufmerksamen Leser mag wohl aufgefallen sein, dass der Schwerpunkt dieses Kirchenführers weniger auf einer reinen Beschreibung der Ausstattung liegt. Viel mehr legt der Autor Wert auf eine Wanderung durch die Jahrhunderte bzw. auf die gewachsenen historischen Zusammenhänge. Denn ohne ihre Vergangenheit würden Kanzel, Altar, Grabplatten etc. lediglich in ihrer aktuellen Bestimmung verbleiben. Durch das, was wir dank der Überlieferung wissen, geben wir all diesen Dingen eine Bedeutung. Der ideelle Wert steigt. Wir identifizieren uns mit jedem einzelnen Teil der Kirche. Wir erahnen wie viel Mühe, teils persönliche Aufopferung durch die Zeiten hindurch die evangelischen Christen in Püchersreuth aufbrachten. Wilhelm von Humboldt sagte einmal: "Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." Für mich bedeutet das, wer sich der Geschichte verweigert, hat keine Vergangenheit, aber auch keine Zukunft. Wir, die der evangelischen Kirchengemeinde angehören, wollen eine Zukunft. Wir setzen uns gemeinsam ein, unsere schöne Kirche mit ihren ideellen und materiellen "Schätzen" auch zukünftigen Generationen zu erhalten. Dafür brauchen wir das Engagement eines jeden einzelnen, aber auch die notwendige finanzielle Ausstattung. Derzeit sind folgende Vorhaben geplant:

  • Sanierung des Dachstuhls
  • Eindeckung des Kirchenschiffs
  • Sanierung der Innenwände und der Decke
"Ich lobe DICH von ganzer Seelen, dass du auf diesem Erdenkreis
dir wollen eine Kirch erwählen zu Deines Namens Lob und Preis,
darinnen sich viel Menschen finden in einer heiligen Gemein,
die da von allen ihren Sünden durch Christi Blut gewaschen sein."
Heinrich Hiller 1711, EG 250/1
Nachwort

An dieser Stelle bleibt mir nur noch einen Dank auszusprechen für alle Menschen, die geholfen haben, diesen Kirchenführer zu erstellen. Ohne die Zuarbeit anderer lieber Menschen kann man so ein Vorhaben in dieser kurzen Zeit nur schwer erfolgreich beenden. Herzlich danken möchte ich...

Herrn Dr. Wappmann
für die Bereitstellung vieler wichtiger Informationen.

Herrn Lothar Babisch und Herrn Hermann Heß
für ihre Recherche im landeskirchlichen Archiv in Nürnberg bzw. für die fruchtbaren Gespräche mit unterschiedlichen Fachleuten.

dem Kirchenvorsteher Lothar Löw
für seine übersichtliche Darstellung gesammelter Informationen zur Kirche St. Peter und Paul, die Zeichnung und den gestochen scharfen Fotos unserer Kirche.

Verfasser:
Michael Raab, Kirchenvorsteher, im Jahre 2008

Impressum:

Herausgeber: Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Püchersreuth
Autor: Michael Raab
Bilder: Lothar Löw

Literatur

Evang.-Lutherisches Dekanat Weiden: Unser Weidener Kirchenbezirk. Detmold 1953 (?)

Evang.-Lutherisches Dekanat Weiden: Evang.-Lutherisches Dekanat Weiden i.d. Opf. Erlangen 1982

Enslein Lorenz, u.a.: Stumme Zeugen am Wegesrand. Püchersreuth 2007

Hager, Georg.: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Bezirksamt Neustadt a. W.N. Oldenburg 1981

Krauß (ehm. Archivarin in Weiden): 3 Urkunden aus dem Turmknopf der ev. Kirche Püchersreuth. ausgewertet 1959 (?):
Urkunde 1 von 1871
Urkunde 2 von 1881
Urkunde 3 von 1913

Staatsarchiv Amberg, Bestand: Pfalz-Sulzbach, Regierung - Floßer Akten 21/109: Die Baufälligkeit der Kirche zu Pichersreuth, dann deren Reparation betr. 1714-1741

Wappman, Volker et al.: Epitaphien und Gedenktafeln an und in der Friedhofskirche St. Georg in die Friedhofskirche St. Gorg in Sulzbach-Rosenberg. Amberg 1993

Landeskirchlichem Archiv der Evang. Luth. Landeskirche in Bayern in Nürnberg, Bestand: Kons. Bayreuth Nr. 4784 I.II. Acta Püchersreuther Pfarramt VII, Allgemeine Pfarrberichte

Die Fotos stammen aus eigenem Bestand. Die vier scans aus dem Landeskirchlichem Archiv der Evang. Luth. Landeskirche in Bayern in Nürnberg

Peter Braun: Hundt (Adelsgeschlecht). wikipedia.de

Die Informationen zur Zeittafel wurden teilweise der Ortschronik der FWG Püchersreuth entnommen.

Zeittafel
Kirche in Püchersreuth Püchersreuth
  Erste Besiedlung im 11. Jhrh.
  1167 Einsetzung eines Perengar als Dienstmann durch den Sulzbacher Grafen.
1326 erstmalige Erwähnung der Pfarrei  
  1386 kaufen die Hirschauer das Landgut.
  1430 übernehmen die Roschauer das Gut.
  1495 Hans Floß kauft das Landgut.
1542 Einführung der Reformation  
1584 Gründung der ev. Pfarrei Püchersreuth Im 16. Jahrh. wird das Gut zwischen den Nachkommen Hans und Paul Floß aufgeteilt.
  Gut 1 (Anwesen Hanebuth): Gut 2 (Anwesen Gollwitzer)
    1617 an Sazenhofen verkauft.
    1619 übernehmen die Gravenreuther das Gut.
1652 Einführung des Simultaneums.
1653 Pfarrei mit Plößberg und Wildenau zusammen.
   
    1663 kauft es Gottfried von Hund.
1674 kommt Wilchenreuth zur Pfarrei hinzu.    
  1700 folgte der Graf von Sparneck.  
1714 Ein Gewitter beschädigt die alte Kirche. Johann Chr. Hund initiiert den Neubau.
1714 - 1726 Neubau
   
  1735 für kurze Zeit von Josef v. Boslarn gekauft.
1740 wird es an Johann Chr. Hund verkauft.
 
1741 endgültige Fertigstellung.    
  1746 ersteigert es Johann Schmauss.  
    1754 kauft es der Nürnberger Georg Jaquet.
  1763 von Freiherrn von Korb gekauft.  
    1773 an Fam. Podewils verkauft.
1779 Turmrenovierung    
    1813 an Herrn von Wiesel übergeben.
1828 Turmrenovierung   1828 das Gut wird aufgelöst
1837 Bildung der Pfarrei Püchersreuth mit Wilchenreuth.    
1854 Ausbesserung am Turm. 1854 Das Gut wird aufgelöst.  
  1863 Nach Auflösung der Güter wurde Püchersreuth demokratisch verwaltet.
1871 Abnahme des Turmknopfes.  
1909 Auflösung des Simultaneums.  
1913 große Renovierung  
1955-1963 Außenrenovierung  
1968-1973 Renovierung des Innenraums. 1968 Auflösung der Konfessionsklassen durch die Fertigstellung der Grundschule
  1970 kauft die Gemeinde das alte kath. Schulhaus.
1972 Püchersreuth kommt zur Pfarrei Plößberg.  
  1975 Dorferneuerung in Püchersreuth.
1980 Erneuerung des Glockenstuhls.  
1983 Neue Orgel der Firma Hofmann.  
2004 Errichtung des Gerätehauses.  
2009 Beginn der Renovierung des Kirchendaches.  

 


Linolschnitt von Sebastian Löw
Abschluss

Evangelisch- Lutherische Kirchengemeinde Püchersreuth, Oberpfalz